Posts tagged ‘donation based Crowdfunding’

18. September 2013

Spendenplattformen im Detail

von ebit4u

Generell:

Nach dem Spendenbericht 2012 des Fundraising Verbandes Österreich liegt Österreich nach dem World Giving Index, der die weltweite Spendenbereitschaft untersucht auf Platz 29: Die Österreich sind demnach fleißige Spender mit einem Volumen von einer halben Milliarde Euro 2012 (2011: € 490 Mio und 2010: € 460) und einem bevölkerungsmäßig hohen Anteil der Bevölkerung (80%)   aber die Höhe der einzelnen Spende ist mit € 58,82 aber im internationalen Vergleich verhältnismäßig gering:

Spendenaufkommen 2012

Spendenaufkommen 2012

Der Anteil der Spenden am verfügbaren Einkommen beträgt in Österreich 0,3%, in Deutschland 0,4%, in der Schweiz 1,2% und in den USA 2%. 14% der Spender in Österreich machten 2011 ihre Spendenausgaben steuerlich geltend, im Vergleich zu Deutschland wo dank eines größeren Kreises von begünstigten Organisationen zwischen 25 und 30% ihre Spende auch steuerlich geltend machten.

Social Crowdfunding Plattformen

Bei den Social Crowdfunding Plattformen (auch Donationbased Crowdfundingplattformen genannt) , bei denen die Unterstützer keine monetäre oder nicht monetäre Gegenleistung für ihre Geldleistungen bekommen, handelt es sich meist um Plattformen auf denen Spenden für karitative Projekte, für wissenschaftliche Projekte aber auch sonstige gemeinnützige Projekte gesammelt werden.

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Spendens  war schon immer  der Aufbau und die Sicherstellung einer sehr starken emotionalen Verbundenheit zu den Unterstützern und potentiellen Geldgebern. [1], Diese emotionale Verbundenheit kann über die Mittel der Crowdfundingplattformen mit den Videos und direkten Kommunikationsmöglichkeiten sowie unter Nutzung der sozialen Medien viel besser aufgebaut werden als über traditionelle Einschaltungen in den Medien.

Die Beispiele für erfolgreiche Crowddonating-Kampagnen sind vielfältig und reichen von der Kampagne des derzeitigen US-Präsident Obama der mehrere Millionen Dollar für seine Wahlkampagne durch mehr als eine Million Unterstützer eingenommen hat[2],  zu der crowdsourcing Initiative Wikipedia[3], die sich über Spenden finanziert.

Beispiele:

Die Plattformen aus dem Crowddonation Bereich haben die verschiedensten Erscheinungsformen:

Bei Betterplace.org( www.betterplace.org)  handelt es sich um Deutschlands größte Online-Spendenplattform für soziale  Projekte. 2007 gegründet, vermittelte betterplace.org bis heute Spenden in Höhe von fast 10 Mio € an Tausende soziale Projekte aus über 140 Ländern, unter ihnen viele kleine Graswurzelprojekte. Auf der Plattform werden Hilfsprojekte und Spender zusammengeführt, um so gezielte, unmittelbare und nachhaltige Hilfe zu ermöglichen. Transparenz ist dabei sehr wichtig. Jedes Projekt wird auf betterplace.org offen dargelegt und in einzelne, ganz konkrete Bedarfe unterteilt, so dass man gezielt spenden kann – z. B. für ein Schulbuch in Kenia oder die Rutsche im Kindergarten nebenan. Außerdem kann jeder Spender auf betterplace.org direkt mit dem Empfänger des Geldes Kontakt aufnehmen und nachverfolgen, was mit seiner Hilfe geschieht: Jeder Projektverantwortliche gibt auf der Plattform Feedback über das Vorankommen des Projekts vor Ort. Die Hilfe ist dabei unmittelbar: betterplace.org leitet 100 % der Spenden weiter[4].

Betterplace.org ist eine offene Plattform. Nicht nur große, bekannte Hilfsorganisationen können die Plattform nutzen, sondern auch potentiell zigtausende kleine Initiativen und Organisationen aus aller Welt.

Die Art der direkten Beteiligung, die das Crowdfunding auszeichnet, gut und wichtig ist – gerade auch im Bereich des “sozialen Crowdfunding” . Die Abzugsfähigkeit der Spende für steuerliche Zwecke hängt jeweils von der Gemeinnützigkeit der Spendenorganisation, die einwirbt ab.

Erfolgreich sind in der Regel die Projekte, die folgende Punkte beherzigen[5]:

– Es sollte genau beschrieben werden, um was für ein Projekt es sich handelt, was sein Ziel ist, wie es wem helfen will und was für eine Organisation / Initiative dahintersteckt.

– Des Weiteren sind die genaue und konkrete Definition und Beschreibungen der Bedarfe wichtig. Warum werden z. B. 10 Schulbücher an der Kenianischen Schule benötigt, warum sind sie wichtig für die Menschen dort, was kann damit bewegt werden?

– Auch die Neuigkeiten im Projektblog sollten gepflegt und aktuell gehalten werden: Wie geht es voran mit dem Projekt, was wurde bereits verwirklicht, was fehlt vielleicht noch und wie hat das Projekt bereits das Leben der Menschen vor Ort verbessert.

– In diesem Zusammenhang ist auch folgender Punkt wichtig: gute Bilder, die veranschaulichen, was vor Ort im Projekt passiert und was bereits erreicht wurde durch die Spenden.

Zur Steigerung der persönlichen Verbundenheit hat betterplace.org auch die Möglichkeit der Zeitspenden für Projekte eingeführt: d.h. Interessierte können auch die Mitarbeit an Projekten anbieten und auf diese Weise einen sozialen Beitrag leisten.

Die Plattform nimmt kein Geld von den laufenden Projekten, (es werden jeweils 100% an das Projekt weitergeleitet) sondern finanziert sich selbst über Großspenden  bzw. verkauft Beratungsleistungen an Unternehmen[6].

Bei der wohl bekanntesten donation-based Crowdfundingplattform handelt es sich um die Mikrofinanzkreditplattform: Kiva[7]  www.kiva.org  –Kiva bedeutet »Einigkeit« auf Swahili – die Plattform will  reiche und arme Menschen durch Leihgeschäfte verbinden. Zwei Amerikaner, Matt Flannery und Jessica Jackley, gründeten Kiva 2005. Die Idee kam ihnen, als Jackley für eine Entwicklungshilfe-Organisation in Afrika arbeitete. Sie merkte, dass ambitionierte Kleinunternehmer kaum Zugang zu Kapital hatten.

Bei der Mikrofinanzierung wird Kleinunternehmern, meist aus Entwicklungsländern, die aufgrund ihrer persönlichen schlechten Lebensumstände keinen Zugang zu Banken bzw. Kredite haben, ein Kredit für den Aufbau ihres Unternehmens ohne Sicherheiten gewährt. Der Spender erhält 0% Zinsen für sein Darlehen, das nach einem Jahr zu 100% rückgezahlt wird. Der Mindesteinsatz liegt bei 25 Dollar. Jede Zahlung wird über PayPal in Singapur abgewickelt.

2006 erhielt die bengalische Grameen Bank und ihr Gründer Muhammad Yunus für das Konzept der Mikrofinanzierung den Friedensnobelpreis.

Kiva arbeitet mit meist gemeinnützigen Partnerorganisationen, die vor Ort die Kleinunternehmen identifizieren und in der Folge betreuen. Die Rückzahlungsquote auf Kiva beträgt mehr als 99% ist also sehr hoch auch aufgrund der Tätigkeit dieser Partnerorganisationen.

In Österreich gibt es seit September 2013  die Möglichkeit einen Beitrag zu ausgewählte wissenschaftliche Projekte im Sinne einer  Forschungsförderung mitfinanziert werden können, wobei die Spenden in diesem Fall auch steuerlich wirksam abgesetzt werden können. Auf der Plattform www.inject-power.at [8] kann bereits ab einem Beitrag von € 20,- bereits Forschungsprojekt  seiner Wahl unterstützen..Derzeit können zehn Forschungsprojekte unterstützt werden. Als Partner sind die Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG), das Naturhistorische Museum Wien (NHM), das Österreichische Archäologische Institut (ÖAI), das Institut für Molekulare Biotechnologie IMBA und DEBRA Austria – Hilfe für Schmetterlingskinder im Boot.

Momentan wird dabei Geld für Projekte gesammelt, die bereits öffentliche Förderung erhalten, zukünftig sollen ausgewählte Projekte zur Gänze über das Portal finanziert werden[9].  –

Der Plattform-Initiator Rüdiger Schweigreiter, selbst Forscher an der Medizin-Uni Innsbruck über seine Motivation zur Gründung der Plattform für Wissenschaft: Die Anforderungen an die Grundlagenf-orschung würden immer komplexer, gleichzeitig könnten die öffentlichen Budgets bei den steigenden Kosten der Forschung nicht mithalten und die budgetäre Lage vieler Forscher sei bereits spürbar angespannt. „Wir wollen diesem negativen Trend entgegenwirken und private Sponsoren in die Förderung von Forschung und Entwicklung einbinden

Gefördert werden können Projekte aus allen Bereichen der Grundlagenforschung, von Naturwissenschaften und Medizin bis zu Geisteswissenschaften. Voraussetzung dafür ist, dass die Forschungsinstitution eine Partnerschaft mit dem Portal eingeht, das einen Unkostenbeitrag von 6,5 Prozent der eingegangenen Mittel einhebt. Außerdem muss das zu fördernde Projekt im Sinne der Qualitätssicherung von ihr genehmigt werden. Auf dem Förderportal sind die Projekte dann so beschrieben, dass auch wissenschaftlich interessierte Laien sie verstehen können. In einer Datenbank können Spendenwillige nach Forschungsprojekten suchen, die sie interessieren.

Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft beispielsweise ist zum Start der Plattform mit sechs Projekten vertreten: Die Palette reicht von der Auswertung von Abhörprotokollen der Alliierten von kriegsgefangenen österreichischen Wehrmachtsangehörigen, den Aufbau eines österreichweiten Archivs für privates Filmmaterial bis hin zur Entwicklung neuartiger Verfahren, mit denen körperliche Gewalt und Misshandlung gerichtsmedizinisch dokumentiert werden.

Auf der Webseite ist ausgeführt das der grundlegende Gedanke von Forschungs-Sponsoring ideeller Natur ist und nicht von einer materiellen Gegenleistung motiviert ist. Die Sponsoren erwirken mit ihrer Unterstützung in keinem Fall Rechte an Ergebnissen der von ihnen mitfinanzierten Forschungs- und Entwicklungstätigkeit[10].

Zusammenfassung:

Hinsichtlich der steuerlichen Absetzbarkeit ergibt sich unmittelbarer Handlungsbedarf für die Finanzbehörden, da ein Österreicher für die steuerliche Absetzbarkeit nur an eine österreichische Organisation spenden kann – umgekehrt gilt das auch für Deutschland. Nur wenn man bedenkt das erst seit 1.1.2012 Spenden für Umweltschutz in Österreich steuerlich absetzbar sind, kann man davon ausgehen das eine einheitliche Regelung für grenzüberschreitende Spenden eine Illusion ist. Aber es wäre sinnvoll…

Ansonsten bieten die Crowdfundingplattformen viel mehr Möglichkeiten und ein ganz anderes und eindeutig empfehlenswertes „Spendenerlebnis“. Initiativen wie das Projekt http://www.inject-power.at bieten eine noch nie dagewesene Transparenz für Spenden im Forschungsbereich und sind mehr als empfehlenswert.


[1] Crowdinvesting – eine Alternative in der Gründungsfinanzierung? Hanno Kortleben und Bernhard H. Vollmar, PFH Private Hochschule Göttingen, No 2012/06 S. 6

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Spenden: Wikipedia wird von der gemeinnützigen Wikimedia Foundation betrieben und über Spenden finanziert. Ein Großteil der Spenden wird durch die jährliche Spendenkampagne eingenommen. Auch die lokalen Wikimedia-Sektionen in Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligen sich an der Spendenkampagne, um die deutschsprachige Community und die Qualität der Inhalte zu fördern, Veranstaltungen zu organisieren und Server zu betreiben

[4] Interview mit Kirsten Mieves/Betterplace.org auf crowdstreet.dehttp://crowdstreet.de/2013/01/02/betterplace/#more-487

[7] Artikel aus der Zeit: Mein gutes Geld  von Rainer Luyken,  http://www.zeit.de/2011/17/DOS-Mikrokredit-Sierra-Leone/komplettansicht

Advertisements